Festify.
Der gemeinsame Erinnerungsraum für Events. Eine intergenerative Web-App, die das fragmentierte Event-Gedächtnis nahtlos bündelt.
Hochschule Osnabrück
Projektsemester (Note 1,0)
UX/UI Design & Research
Teamarbeit
React, Vite, Tailwind CSS,
Supabase, TensorFlow.js
2026
Das fragmentierte Event-Gedächtnis
Besondere Ereignisse wie Hochzeiten oder Geburtstage werden heute von fast allen Gästen fotografisch festgehalten. Am Tag danach zeigt sich jedoch ein massiver UX-Bruch: Die Bilder verbleiben isoliert auf den Endgeräten oder verschwinden in unübersichtlichen Messenger-Gruppen.
Messenger-Kompression
Durch die aggressive Kompression gängiger Chat-Dienste gehen wertvolle Bilddetails verloren, was den emotionalen und physischen Wert der Aufnahmen drastisch mindert.
Homogene Hardware-Ökosysteme
Übertragungsdienste wie AirDrop setzen einheitliche Betriebssysteme voraus. Sie schließen Gäste mit anderen Geräten systematisch aus und fragmentieren die Hochzeitsgesellschaft.
Unstrukturierte Cloud-Ordner
Herkömmliche Cloud-Speicher bieten keinerlei emotionale Aufbereitung, erzwingen Registrierungen und überfordern Nutzer durch unübersichtliche Dateiwüsten.
„Wie kann eine digitale Anwendung den kollektiven Erinnerungsprozess nahtlos und emotional spürbar bündeln, ohne Barrieren für den Nutzer aufzubauen?“
Die Persona-Divergenz
Unsere Primärforschung durch leitfadengestützte Interviews mit 12 Personen offenbarte eine fundamentale Divergenz der Bedürfnisse zwischen Gastgebern und Gästen. Diese Kluft bestimmt die gesamte UX-Architektur von Festify.
Vom analogen Brief zum „Zero-Friction“-Einstieg
In einer frühen Konzeptionsphase experimentierten wir mit einem „Phygital“-Ansatz: Einem physischen, gedruckten Einladungsbrief mit QR-Code, der den Gästen bereits vor dem Event zugestellt werden sollte.
Der gedruckte Brief
Ein postalisch versendetes Medium. Nutzertests offenbarten jedoch eine hohe administrative Last für den Host und eine zu große Inflexibilität bei kurzfristigen oder spontanen Events, weshalb dieser Weg konsequent gestrichen wurde.
Zero-Friction Einstieg
Ein direkter QR-Scan vor Ort führt Gäste ohne Registrierung oder App-Download in die PWA (Instant Access). Der Host behält die volle Datenkontrolle via Row Level Security (RLS) über Supabase.
UX-Architektur & „Invisible AI“
Als UX-Designer habe ich mich intensiv dafür eingesetzt, dass künstliche Intelligenz nicht als komplexes Werkzeug die UI überlädt, sondern als unsichtbarer Hintergrundprozess agiert. Der Nutzer merkt nicht, dass er KI bedient – er spürt nur das magische Ergebnis.
Privatsphäre durch Client-Side ML
Sobald Gäste Fotos hochladen, verarbeitet ein Express.js-Server im Hintergrund die Gesichtserkennung mithilfe vortrainierter TensorFlow.js-Modelle.
UX-Mehrwert: Bilder werden vollautomatisch und datenschutzkonform nach abgebildeten Personen kategorisiert. Maria kann am nächsten Morgen mit einem einzigen Klick auf ihr eigenes Gesicht filtern und sieht sofort alle Fotos, auf denen sie selbst zu sehen ist – ohne jemals ein Tagging-Tool bedient zu haben.
Automated Highlight-Scoring & Video-Generierung
Aus der gesamten Bildmenge berechnet ein Algorithmus im Hintergrund einen kombinierten Score aus technischer Qualität, Gesichtskonfidenz und ästhetischer Komposition (z. B. Platzierung auf den Linien des Goldenen Schnitts). Die am besten bewerteten Bilder werden via FFmpeg automatisch zu einem flüssigen Highlight-Video mit harmonischen Übergängen gerendert.
UX-Mehrwert: Der emotionale Wert des Events wird sofort und ohne manuellen Schnitt-Aufwand für die Nutzer erlebbar gemacht.
UI-Design, Usability & Barrierefreiheit
Das Interface wurde konsequent für ein intergenerationelles Nutzungsszenario optimiert, um insbesondere der Generation 60+ maximale Sicherheit zu geben. Um Barrierefreiheit nicht als technisches Regelwerk, sondern als integrales Designmerkmal zu verstehen, konzentriert sich die visuelle Ausgestaltung auf drei fundamentale Säulen.
Großzügige Touch Targets
Alle interaktiven Klickflächen und Buttons wurden stark vergrößert bemessen, um auch bei eingeschränkter Motorik im unruhigen Event-Kontext fehlerfreie Interaktionen zu ermöglichen.
Kontrast & Typografie
Der Einsatz einer serifenlosen, hochgradig lesbaren Systemschrift geht Hand in Hand mit der strikten Einhaltung der WCAG-Kontrastwerte, um optimale Lesbarkeit unter hellen Lichtbedingungen zu garantieren.
Psychologische Führung
Ein sympathisches Kamera-Maskottchen macht im Hintergrund laufende KI-Prozesse nahbar und verständlich. Usability-Tests zeigten, dass diese visuelle Brücke das Vertrauen in die App massiv stärkt.
Fazit & Outcome
Festify beweist, dass sich die Brücke zwischen funktionaler Datenverwaltung und hochgradig emotionaler User Experience schlagen lässt, wenn man Technologie konsequent unsichtbar gestaltet. Das Projekt wurde an der Hochschule Osnabrück mit der Spitzennote 1,0 ausgezeichnet.
„Technologie konsequent unsichtbar gestalten.“
KI ist ein UX-Werkzeug, kein Selbstzweck
Die beste KI-Funktion nützt nichts, wenn der Nutzer sie erst konfigurieren oder verstehen muss. Sie muss lautlos und unsichtbar im Hintergrund für den Menschen arbeiten.
Datenbasierte Iteration schützt vor Fehlentscheidungen
Der frühe Pivot weg vom analogen Brief hin zum reinen digitalen Zugangscode hat das Projekt vor einer unpraktikablen Hürde gerettet und den Weg für einen echten „Zero-Friction“-Einstieg geebnet.