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Festify.

Der gemeinsame Erinnerungsraum für Events. Eine intergenerative Web-App, die das fragmentierte Event-Gedächtnis nahtlos bündelt.

Kontext

Hochschule Osnabrück
Projektsemester (Note 1,0)

Rolle

UX/UI Design & Research
Teamarbeit

Tech-Stack

React, Vite, Tailwind CSS,
Supabase, TensorFlow.js

Jahr

2026

Festify App Mockup
Fig. 01 / Festify Interface & User Experience Mockup
01 / Die Herausforderung

Das fragmentierte Event-Gedächtnis

Besondere Ereignisse wie Hochzeiten oder Geburtstage werden heute von fast allen Gästen fotografisch festgehalten. Am Tag danach zeigt sich jedoch ein massiver UX-Bruch: Die Bilder verbleiben isoliert auf den Endgeräten oder verschwinden in unübersichtlichen Messenger-Gruppen.

01 / Qualitätsverlust

Messenger-Kompression

Durch die aggressive Kompression gängiger Chat-Dienste gehen wertvolle Bilddetails verloren, was den emotionalen und physischen Wert der Aufnahmen drastisch mindert.

02 / Plattform-Barrieren

Homogene Hardware-Ökosysteme

Übertragungsdienste wie AirDrop setzen einheitliche Betriebssysteme voraus. Sie schließen Gäste mit anderen Geräten systematisch aus und fragmentieren die Hochzeitsgesellschaft.

03 / Mangelnde Struktur

Unstrukturierte Cloud-Ordner

Herkömmliche Cloud-Speicher bieten keinerlei emotionale Aufbereitung, erzwingen Registrierungen und überfordern Nutzer durch unübersichtliche Dateiwüsten.

Die Leitfrage
„Wie kann eine digitale Anwendung den kollektiven Erinnerungsprozess nahtlos und emotional spürbar bündeln, ohne Barrieren für den Nutzer aufzubauen?“
02 / Research

Die Persona-Divergenz

Unsere Primärforschung durch leitfadengestützte Interviews mit 12 Personen offenbarte eine fundamentale Divergenz der Bedürfnisse zwischen Gastgebern und Gästen. Diese Kluft bestimmt die gesamte UX-Architektur von Festify.

Fokus
Host / Lukas
Gast / Maria (Gen 60+)
O-Ton
„Ich muss am Tag danach jedem Gast hinterherlaufen, um an die guten Fotos zu kommen.“
„Ich will nicht erst eine App herunterladen oder mich registrieren müssen, nur um ein Bild zu teilen.“
Bedürfnis
Struktur, einfache Verwaltung und eine lückenlose Dokumentation des Events.
Null kognitive Last, verständlicher Datenschutz und absolute Einfachheit.
Pain Point
Hoher zeitlicher Aufwand bei der manuellen Bildersammlung nach dem Event.
Schwellenangst vor App-Installationen, Pflicht-Registrierungen und Passwörtern.
ZERO FRICTION
03 / Konzept-Evolution

Vom analogen Brief zum „Zero-Friction“-Einstieg

In einer frühen Konzeptionsphase experimentierten wir mit einem „Phygital“-Ansatz: Einem physischen, gedruckten Einladungsbrief mit QR-Code, der den Gästen bereits vor dem Event zugestellt werden sollte.

Verworfen Phase 01

Der gedruckte Brief

Ein postalisch versendetes Medium. Nutzertests offenbarten jedoch eine hohe administrative Last für den Host und eine zu große Inflexibilität bei kurzfristigen oder spontanen Events, weshalb dieser Weg konsequent gestrichen wurde.

Lösung Phase 02

Zero-Friction Einstieg

Ein direkter QR-Scan vor Ort führt Gäste ohne Registrierung oder App-Download in die PWA (Instant Access). Der Host behält die volle Datenkontrolle via Row Level Security (RLS) über Supabase.

Festify App Wireframe
Fig. 02 / Wireframe-Flow zur Event-Erstellung PWA-Struktur
04 / UX-Architektur

UX-Architektur & „Invisible AI“

Als UX-Designer habe ich mich intensiv dafür eingesetzt, dass künstliche Intelligenz nicht als komplexes Werkzeug die UI überlädt, sondern als unsichtbarer Hintergrundprozess agiert. Der Nutzer merkt nicht, dass er KI bedient – er spürt nur das magische Ergebnis.

Feature 01 / Asynchrone Gesichtserkennung

Privatsphäre durch Client-Side ML

Sobald Gäste Fotos hochladen, verarbeitet ein Express.js-Server im Hintergrund die Gesichtserkennung mithilfe vortrainierter TensorFlow.js-Modelle.

UX-Mehrwert: Bilder werden vollautomatisch und datenschutzkonform nach abgebildeten Personen kategorisiert. Maria kann am nächsten Morgen mit einem einzigen Klick auf ihr eigenes Gesicht filtern und sieht sofort alle Fotos, auf denen sie selbst zu sehen ist – ohne jemals ein Tagging-Tool bedient zu haben.

Feature 02 / Highlight-Scoring

Automated Highlight-Scoring & Video-Generierung

Aus der gesamten Bildmenge berechnet ein Algorithmus im Hintergrund einen kombinierten Score aus technischer Qualität, Gesichtskonfidenz und ästhetischer Komposition (z. B. Platzierung auf den Linien des Goldenen Schnitts). Die am besten bewerteten Bilder werden via FFmpeg automatisch zu einem flüssigen Highlight-Video mit harmonischen Übergängen gerendert.

UX-Mehrwert: Der emotionale Wert des Events wird sofort und ohne manuellen Schnitt-Aufwand für die Nutzer erlebbar gemacht.

05 / UI & Usability

UI-Design, Usability & Barrierefreiheit

Das Interface wurde konsequent für ein intergenerationelles Nutzungsszenario optimiert, um insbesondere der Generation 60+ maximale Sicherheit zu geben. Um Barrierefreiheit nicht als technisches Regelwerk, sondern als integrales Designmerkmal zu verstehen, konzentriert sich die visuelle Ausgestaltung auf drei fundamentale Säulen.

Säule 01 / Motorik

Großzügige Touch Targets

Alle interaktiven Klickflächen und Buttons wurden stark vergrößert bemessen, um auch bei eingeschränkter Motorik im unruhigen Event-Kontext fehlerfreie Interaktionen zu ermöglichen.

Säule 02 / Sehkraft

Kontrast & Typografie

Der Einsatz einer serifenlosen, hochgradig lesbaren Systemschrift geht Hand in Hand mit der strikten Einhaltung der WCAG-Kontrastwerte, um optimale Lesbarkeit unter hellen Lichtbedingungen zu garantieren.

Säule 03 / Vertrauen

Psychologische Führung

Ein sympathisches Kamera-Maskottchen macht im Hintergrund laufende KI-Prozesse nahbar und verständlich. Usability-Tests zeigten, dass diese visuelle Brücke das Vertrauen in die App massiv stärkt.

06 / Fazit

Fazit & Outcome

Festify beweist, dass sich die Brücke zwischen funktionaler Datenverwaltung und hochgradig emotionaler User Experience schlagen lässt, wenn man Technologie konsequent unsichtbar gestaltet. Das Projekt wurde an der Hochschule Osnabrück mit der Spitzennote 1,0 ausgezeichnet.

Leitgedanke

„Technologie konsequent unsichtbar gestalten.“

Learning 01 / Das Werkzeug

KI ist ein UX-Werkzeug, kein Selbstzweck

Die beste KI-Funktion nützt nichts, wenn der Nutzer sie erst konfigurieren oder verstehen muss. Sie muss lautlos und unsichtbar im Hintergrund für den Menschen arbeiten.

Learning 02 / Die Iteration

Datenbasierte Iteration schützt vor Fehlentscheidungen

Der frühe Pivot weg vom analogen Brief hin zum reinen digitalen Zugangscode hat das Projekt vor einer unpraktikablen Hürde gerettet und den Weg für einen echten „Zero-Friction“-Einstieg geebnet.